Wühlen im Archiv I

Modellhaftes Heraufbeschwören einer Performance

SA, 11.07.2020, 11:00 – 15:00 Uhr
Kunstraum Niederoesterreich
Herrengasse 13, 1010 Wien

 

***english version below***

Wühlen im Archiv beschäftigt sich mit dem Archiv des  Kunstraum Niederoesterreich und entsteht als Kooperationsprojekt zwischen der Institution und Performatorium (Olivia Jaques und Marlies Surtmann).

Ein Archiv bezeichnet die systematische Sammlung von Dokumenten vergangener Ereignisse, also deren Erfassung, Ordnung und Erschließung. Das Wühlen ist dort in der Regel nicht erwünscht denn es widerspricht der Logik der Ordnung und Klassifizierung. Auch wenn das Archiv des Kunstraum Niederoesterreich noch nicht erschlossen und damit nicht öffentlich zugänglich ist, erhaschen wir einen exemplarischen Blick in die junge engagierte Performancevergangenheit des Ausstellungshauses.

Mit Wühlen im Archiv wollen wir eine Performance aus dem Archiv des Kunstraum Niederoesterreich quasi ‘exhumieren’ und mit Hilfe einer systematischen Analyse von Performancedokumenten nachstellen. Das Projekt fordert das Ende der Betrachtung: kein Reenactment, sondern ein forensisches Zusammensetzen der Spuren, ein physisches Nachempfinden eines vergangenen Ereignisses. Dafür werden Anleihen an Diana Taylors Konzept des Szenarios genommen, dies bedeutet eine stufenweise Annäherung an eine Performance. Taylor etabliert das Szenario als eine Art Analysewerkzeug, um vergangene Ereignisse ‘heraufzubeschwören’ und durch diverse Tradierungsmodi verstehen zu lernen. Neben die Logik des traditionellen Archivierens, welche auf Schrift, Bild und Objekt basiert, stellt Taylor eine Tradierung in Form kultureller Praktiken (Repertoire). Das Archiv und das Repertoire befinden sich in einem wechselseitigen Verhältnis und bedingen einander. Das Szenario bildet einen Rahmen, der multiperspektivisch Interpretationsspielräume sowie zeitliche, örtliche und kulturbedingte Verschiebungen zulässt; eine formalistische Struktur, die sich den Modi des Archivs wie auch des Repertoires gleichermaßen bediene.

Wühlen im Archiv stellt einen performativen Versuch dar Diana Taylors Szenario durch zwei unterschiedliche Ansätze modellhaft auf eine Performance anzuwenden. Dabei stehen Fragen im Zentrum wie: An welchen Stellen entstehen Reibungen durch den Transfer einer Performance in einen anderen zeitlichen Kontext? Was kann durch den Prozess des Selbst-Durchlebens erfahren oder verstanden werden? Welche Aktualisierungen oder Reinterpretationen finden statt? Was bedeuten dieser Perspektivenwechsel für eine feministische Geschichtsbetrachtung, aber auch für einen alltäglichen Umgang mit vergangenen Ereignissen? Der Fokus verschiebt sich von der Frage nach der akkuraten lückenlosen Überlieferung hin zur Frage was und wie wir aus vergangen (Performance-)Ereignissen für ein rezentes Gesellschafts- und Kulturverständnis lernen.

Eingeladen sind Künstler*innen und alle Performanceinteressierten! Das Projekt ist eingebettet in ein Forschungsprojekt zur Archivierung von Performancekunst und zweiteilig angelegt (der zweite Teil findet im Herbst statt). Durch die Teilnahme am Workshop wird die Zustimmung erteilt, dass Aufzeichnungen und Abbildungen des Workshops, sowie Abbildungen etwaiger (künstlerischer) Ergebnisse im Rahmen des Forschungsprojekts “Archivierung von Performancekunst? Über die Archivierung, Tradierung und Vermittlung einer Kunstform in Bewegung” veröffentlicht und zur weiteren Forschung verwendet werden dürfen.

Aufgrund der COVID-19-Schutzmaßnahmen ist die Teilnehmer*innenzahl auf 15 Personen beschränkt, daher bitten wir HIER um Anmeldung.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und gemeinsames Experimentieren!

Marlies Surtmann und Olivia Jaques

 

***english version***

Digging into the Archive I. An Exemplary Evocation of a Performance

SA, 11.07.2020, 11:00am – 3:00pm
Kunstraum Niederoesterreich
Herrengasse 13, 1010 Vienna

Digging into the Archive is investigating the archive of Kunstraum Niederoesterreich and is a cooperation of the institution and Performatorium (Olivia Jaques and Marlies Surtmann).

An archive refers to the systematic collection of documents of past events, i.e. their recording, putting into order and being catalogued. Digging is usually not desired because it contradicts the logic of order and classification. Even though the archive of Kunstraum Niederoesterreich has not yet been catalogued and is therefore not open to the public, we are gaining an exemplary view of the young and committed performance past of the exhibition space.

By Digging in the Archive, we want to ‚exhume‘ a performance from the archive of Kunstraum Niederoesterreich and re-enact it with the help of a systematic analysis of performance documents. The project demands the end of contemplation: not a re-enactment, but a forensic composition of the traces, a physical recreation of a past event. For this, we borrow from Diana Taylor’s concept of the scenario, which means a gradual approach to the performance selected. Taylor establishes the scenario as a kind of analysis tool to ‚conjure up‘ past events and to learn to understand them through various modes of transmission. In addition to the logic of traditional archiving, which is based on writing, images and objects, Taylor places a tradition in the form of cultural practices (repertoire). The archive and the repertoire are in a reciprocal relationship and condition each other. The scenario forms a framework that allows for multi-perspective interpretations and shifts in time, place and culture; a formalistic structure that makes equal use of the modes of the archive and the repertoire.

Digging into the Archive is a performative attempt to apply Diana Taylor’s scenario to a performance through two different approaches. The central questions are: At which points does the transfer of a performance into a different temporal context cause friction? What can be experienced or understood through the process of re-enacting? What kind of updates or reinterpretations take place? What does this change of perspective imply for a feminist perspective on history, but also for an everyday dealing with past events? The focus shifts from the question of accurate and complete transmission to the question of what and how we learn from past (performance) events for a recent understanding of society and culture.

Artists and everyone interested in performance art are invited to participate in this experiment. The project is embedded in a research project for archiving performance art and is divided into two parts (the second part will take place in autumn). By participating in the workshop, the participant agrees that recordings and illustrations of the workshop, as well as illustrations of any (artistic) results within the research project „Archivierung von Performancekunst? Über die Archivierung, Tradierung und Vermittlung einer Kunstform in Bewegung“ may be published and used for further research.

The number of participants is limited to 15 persons due to the COVID-19 protection measures, so please register HERE.

Performatorium #014 @Schaustelle

Performatorium #014 – Labor für eine zeitgenössische performative Praxis
SA, 08.02.2020, 11:00 – 15:00 Uhr
Schaustelle
Margaretenstraße 106, 1050 Wien

***english version below***

Beim kommenden Performatorium, das im Rahmen der Ausstellung woman of a future bubble (or go tell the moss that we are leaving) stattfindet, laden Johanna Nielson und Agnes Schneidewind zu einem multimedialen und multisensoriellen Dialog ein, in dem wir uns im fiktiven Raum der Kleinschen Flasche bewegen und kommunizieren. Die Kleinsche Flasche ist ein geometrisches Objekt, eine „nicht-orientierbare, zweidimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit“. Bei der Kleinschen Flasche ist das Äußere gleichzeitig das Innere. Gleitet man an der Oberfläche entlang, kommt man von Innen nach Außen und wieder nach Innen, ohne über eine Kante zu gehen (wie etwa bei einem Glas). Daher ist es nicht möglich, Inneres und Äußeres zu unterscheiden.
Johanna Nielson und Agnes Schneidewind arbeiten seit Mai 2018 an dem Projekt AH I SEE, eine Serie von performativen Experimenten, die sich mit dem Zusammenspiel von Zeichnen und Tanzen, spekulativen (Körper-)Landschaften und Mechanismen der Übersetzung beschäftigen. woman of a future bubble (or go tell the moss that we are leaving) ist das nächste Kapitel der Serie.

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Performatorium #014!

Johanna Nielson, Agnes Schneidewind, Marlies Surtmann und Olivia Jaques

+

woman of a future bubble (or go tell the moss that we are leaving)

6.2. – 26.2.2020
Schaustelle // Margaretenstraße 106, 1050 Wien
 
Do 6.2. // 19.00 // Vernissage mit Performance
Sa 8.2. // 11.00 – 15.00 // Performatorium #014
26.2. // 19.00 // Finissage mit Performance
 
Öffnungszeiten:
Mi 12.+19.2. // 12.00 – 18.00
Sa 15.+22.2. // 12.00 – 18.00
(und auf Anfrage)

Johanna Nielson (AT) hat Zeitgenössischen Tanz und Tanzpädagogik in Linz studiert. Sie kreiert fluide Performanceformate, in denen unterschiedliche Disziplinen aufeinandertreffen. Unter anderem performte sie mit Oleg Soulimenko, Claire Levefre, Peaches und Keith Hennessy. In Kollaborationen arbeitet sie u.a. mit Agnes Schneidewind, dem Phoenix Baroque Austria Ensemble, Marina Poleukhina oder Julia Danzinger. https://johanna-nielson.wixsite.com/website

Agnes Schneidewind (AT) hat Philosophie in Wien studiert und Weiterbildungen in somatischen Körperpraktiken und Performancekunst in Antwerpen und Brüssel absolviert. Ausgehend von Sinneserfahrungen und Traumpraktiken arbeitet sie mit Bewegung, Text und visuellen Medien. Sie arbeitet unter anderem in künstlerischen Projekten mit Johanna Nielson (AT), Mieke Weckesser (DE), Isabel Burr-Raty (BE) und Eve Bonneau (FR). http://asjnijdewindt.wordpress.com

Dieses Performatorium wird unterstützt von Im_flieger und schultes wien

https://performatorium.wordpress.com/ueber/
https://www.facebook.com/PerformatoriumVienna/

***ENGLISH***

Performatorium #014 – Laboratory for a contemporary performative practice

SAT, 08.02.2020, 11am – 3pm
Schaustelle
Margaretenstraße 106, 1050 Wien

Dear friends and Performance-lovers,

At the upcoming Performatorium, which is part of the exhibition woman of a future bubble (or go tell the moss that we are leaving), Johanna Nielson and Agnes Schneidewind invite us to a multimedia and multi-sensory dialogue in which we move and communicate in the fictional space of the Klein bottle. The Klein Bottle describes a geometric object, a „non-orientatable, two-dimensional differentiable manifold“. The outside of the Klein bottle is at the same time its inside. If you glide along its surface, you come from the inside to the outside and back to the inside without going over an edge (like you would with a glass). Therefore it is not possible to distinguish the inside from the outside.
Johanna Nielson and Agnes Schneidewind have been working since May 2018 on the project AH I SEE, a series of performative experiments that deal with the interaction of drawing and dancing, speculative (body) landscapes and mechanisms of translation. woman of a future bubble (or go tell the moss that we are leaving) is the next chapter in the series.

We are looking forward to Performatorium #014 and to everyone who wants to join in!

Johanna Nielson, Agnes Schneidewind, Marlies Surtmann and Olivia Jaques

+

woman of a future bubble (or go tell the moss that we are leaving)

6.2. – 26.2.2020
Schaustelle // Margaretenstraße 106, 1050 Wien
 
Do 6.2. // 19.00 // Vernissage mit Performance
Sa 8.2. // 11.00 – 15.00 // Performatorium #014
26.2. // 19.00 // Finissage mit Performance
 
Öffnungszeiten:
Mi 12.+19.2. // 12.00 – 18.00
Sa 15.+22.2. // 12.00 – 18.00
(und auf Anfrage)

Johanna Nielson (AT) studied contemporary dance and dance education in Linz. She creates fluid performance formats in which different disciplines meet. She has performed with Oleg Soulimenko, Claire Levefre, Peaches and Keith Hennessy, among others. She works collaboratively with Agnes Schneidewind, the Phoenix Baroque Austria Ensemble, Marina Poleukhina and Julia Danzinger, among others. https://johanna-nielson.wixsite.com/website

Agnes Schneidewind (AT) studied philosophy in Vienna and participated at further eduction classes within somatic body practices and performance art in Antwerp and Brussels. Based on sensory experiences and dream practices, she works with movement, text and visual media. She works in artistic projects together with Johanna Nielson (AT), Mieke Weckesser (DE), Isabel Burr-Raty (BE) and Eve Bonneau (FR), among others. http://asjnijdewindt.wordpress.com

This Performatorium is supported by Im_flieger and schultes wien.

https://performatorium.wordpress.com/ueber/
https://www.facebook.com/PerformatoriumVienna/

Performatorium #013

Performatorium #013 – Labor für eine zeitgenössische performative Praxis
SA, 07.12.2019, 11:00 – 15:00 Uhr
Kunstraum Niederoesterreich
Herrengasse 13, 1010 Wien

***english version below***

Als Fortsetzung des Performatorium #012 wollen wir das begonnene Performance-Mapping weiterspinnen. Dazu laden wir insbesondere Performance-Veranstalter*innen und -Agent*innen der lokalen Szene zu unserem Peergroup-Workshop ein. Gemeinsam verhandeln und skizzieren wir eine intuitive, kollektive und doch subjektive Performance-Karte. Begreift man die lokalen Performance-Szenen als Netzwerke: Wo beginnen diese, von welchem Ausgangsknoten und in welche Richtung spinnen sie sich weiter, an welchen Stellen verdichten sie sich und wo entstehen in den Lücken neue Handlungsspielräume?

Lasst uns gemeinsam denken, verorten und in Beziehung setzen was es momentan rund um die Performancekunst schon alles gibt und was uns noch fehlt: Welche Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, welche Orte und Institutionen, tragende Netzwerke und offene Räume braucht es, um Performance zu erleben, zu erforschen und zu praktizieren?

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Performatorium #013!

Olivia Jaques und Marlies Surtmann

Dieses Performatorium wird unterstützt von Kunstraum Niederoesterreich

https://performatorium.wordpress.com/ueber/
https://www.facebook.com/PerformatoriumVienna/
http://www.kunstraum.net/de

***ENGLISH***

Performatorium #013 – Laboratory for a contemporary performative practice
SAT, 07.12.2019, 11am – 3pm
Kunstraum Niederoesterreich
Herrengasse 13, 1010 Vienna

In continuation of the Performatorium #012 we want to develop the performance mapping further. In particular, we invite performance organisers and agents of the local scene to join our peer group workshop. Together, we negotiate and outline an intuitive, collective yet subjective performance map. If one understands the local performance scenes as networks: where do they begin, from which node do they take off and in which direction do they continue, in which spots do they consolidate and where do we find new scopes of action within the gaps?

Let us rethink, situate and relate what is already there and what we still lack regarding performance art: what possibilities and impossibilities, which places and institutions, supporting networks and open spaces are needed to experience performance, to explore and practice and research!

We are looking forward to Performatorium #013 and to everyone who wants to join in!

Marlies Surtmann and Olivia Jaques

This Performatorium is supported by Kunstraum Niederoesterreich

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https://www.facebook.com/PerformatoriumVienna/
http://www.kunstraum.net/en?set_language=en

Performatorium #012

 

Performatorium #012 – Labor für eine zeitgenössische performative Praxis
FR, 25.10.2019, 15:00 – 19:00 Uhr
Kunstraum Niederoesterreich
Herrengasse 13, 1010 Wien

***english version below***

Das Performatorium ist zwei und es wird Zeit für ein Intermezzo, ein Zwischenspiel bevor es in die nächste Phase geht. Diesmal widmen wir uns der Methode des Mappings, um die Performancelandschaft zu skizzieren die uns umgibt. Lasst uns gemeinsam denken, verorten und in Beziehung setzen was es momentan rund um die Performancekunst schon alles gibt und was uns noch fehlt: Welche Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, welche Orte und Institutionen, tragende Netzwerke und offene Räume braucht es, um Performance zu erleben, zu erforschen und zu praktizieren?

Jede*r die*der mag bringe doch bitte für den praktischen Teil eine performative Übung oder Idee mit, die ausprobiert oder weiterentwickelt werden will. Die Ideen werden wir uns im Tun gegenseitig vorstellen und wenn gewünscht gemeinsam weiterspinnen.

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Performatorium #012!

Marlies Surtmann und Olivia Jaques

https://performatorium.wordpress.com/ueber/
https://www.facebook.com/PerformatoriumVienna/
http://www.kunstraum.net/de

***ENGLISH***

Performatorium #012 – Laboratory for a contemporary performative practice
FRI, 25.10.2019, 3pm – 7pm
Kunstraum Niederoesterreich
Herrengasse 13, 1010 Vienna

The performatorium is two, and it’s time for an intermezzo, an interlude, before moving on to the next phase. This time, we’ll focus on the method of mapping to sketch the performance landscape that surrounds us. Let us rethink, situate and relate what is already there and what we still lack regarding performance art: what possibilities and impossibilities, which places and institutions, supporting networks and open spaces are needed to experience performance, too explore and practice?
For the practical part everyone who likes can bring along a performative exercise or idea, which is in need of being tried out or developed further. We will introduce each other’s ideas in doing and if wanted advance it together.

We are looking forward to Performatorium #012 and to everyone who wants to join in!

Marlies Surtmann and Olivia Jaques

https://performatorium.wordpress.com/ueber/
https://www.facebook.com/PerformatoriumVienna/
http://www.kunstraum.net/en?set_language=en